Die Städte der Zukunft

Städte verändern sich. Im Jahre 2007 lebten erstmal mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Bis 2050 könnten es 80 % sein.

Städte werden größer, Verkehrsströme müssen gelenkt werden Versorgung mit Nahrungsmitteln, Energie und Wasser muss sichergestellt werden. Und Abfälle und Abwasser müssen entsorgt werden. Das sind reisige Aufgabenfelder, mit denen sich Stadtplaner auseinandersetzten.

Die überwiegende Mehrheit der Städte wird immer noch von wenigen Kraftwerken versorgt, die teilweise noch außerhalb stehen und deren Strom über weite Strecken transportiert werden muss. Derzeit wird über weitere Trassen diskutiert, die Strom von Windkraftwerken im Norden in den Süden umverteilen sollen. Irgendwann ist diese Vorgehensweise nicht mehr zu rechtfertigen, zu teuer, Raubbau an der Landschaft. Es geht auch anders. Städte der Zukunft werden intelligenter, nicht nur, was den Energieverbrauch betrifft, sondern auch in Bezug auf die Energieerzeugung.

In Hammarby Sjöstad, südlich von Stockholm hat man sich dazu Gedanken gemacht und diese in einem Modellprojekt umgesetzt. Müllabfuhr gibt es nicht mehr. Unterdruckröhren transportieren verschiedene Abfälle zur Verbrennung, zum Kompost und sichern so Ressourcen, die sonst verschwendet würden.

Biogasanlagen erzeugen dann wieder Strom für den Distrikt. Mann hofft, mindestens die Hälfte der benötigten Energie vor Ort selbst produzieren zu können. Man spricht von verteilter Energie und das Ziel ist eine Stadt, die autark funktionieren kann und sich selbst mit Energie versorgt.

Das kann auch durch Solaranlagen, Windkraftwerke und Kleinkraftwerke, wie zum Beispiel Brennstoffzellen, erreicht werden. Und in einigen Regionen ist es auch möglich, geothermische Energie zu nutzen.

In den USA geht man davon aus, das zwei drittel der erzeugten Energie verschwendet werden, ohne eine praktischen nutzen zu leisten. Sei es durch Transportverluste, wenig effiziente Maschinen und Verluste in der Industrie, wo Abwärme ungenutzt an die Umwelt abgegeben wird. Hier zu optimieren ist auch schon ein großer Schritt zu effizienteren autarkeren Großstädten.

Ein anderes Problem neben der Energie ist der Verkehr. Je mehr Menschen auf engem Raum leben, desto mehr Verkehr verstopft die Straßen. Das scheint unausweichlich, doch schon der Ansatz ist fehlerhaft. In vielen Städten sind Arbeit und Wohnen räumlich voneinander getrennt. Das ergab Sinn in einer Welt, in der die industrielle Produktion mit Abgasen, Gestank und Dreck verbunden war. Doch in unserer moderner werdenden Gesellschaft ist das immer weniger der Fall. Es spricht heute im Prinzip wenig dagegen dort zu leben, wo man arbeitet. Vielen Pendlern wird bei steigenden Benzinpreisen inzwischen klar, dass es tatsächlich günstiger ist, in der Stadt zu leben, selbst bei höheren Mieten. Und den täglichen Stau zur Arbeit einzusparen. Dieser Trend wird sich in der Zukunft fortsetzen. Es spricht auch wenig dagegen, ein paar Tage in der Woche von zu Haus aus zu arbeiten.

Und der Verkehr, der sich nicht vermeiden lässt? Schon heute ist das Auto nicht mehr absolutes Statussymbol. Es ist ein Hilfsmittel, um von einem Ort zum anderen zu kommen. Aber das geht auch per Carsharing, öffentlichen Verkehrsmitteln oder wie wäre es in naher Zukunft, wenn man mit dem Handy ein selbstfahrendes Vehikel heranruft, das einen und vielleicht auch Mitfahrer schnell und sicher zum Ziel bringt. Autonome Fahrzeuge können durch Austausch von Daten mit anderen Fahrzeugen den vorhandenen Verkehrsraum besser nutzen und verursachen dabei noch weniger Staus als von Hand gesteuerte Autos. U-Bahnen und andere öffentliche Verkehrsmittel werden auch ein große Rolle spielen. Fliegende Autos wird man in der Stadt der Zukunft wahrscheinlich auf absehbare Zeit nicht sehen.

Diese Trends werden unsere Städte auch grüner machen. Und nicht nur, weil es schön ist, mehr grün zu haben. Es ist notwendig. Dächer müssen begrünt werden, nicht nur weil es isoliert, oder die Kohlendioxidbilanz verbessert. Nein, die Kühe in der Stadt möchten frisches Gras fressen.

All die Menschen in den Städten müssen versorgt werden. Die klassische Landwirtschaft wird den Bedarf noch eine ganze Weile decken können, insbesondere wenn man Wege findet, die alltägliche Verschwendung einzudämmen. Aber früher oder später, auch um den Transport einzusparen, werden die Farmen in die Städte wandern. Ein Bauernhof wird ein Hochhaus sein. Mit Feldern auf unterschiedlichen Stockwerken. Man spricht von Vertical Farming.

Produziert wird vor Ort, eventuell mit dem Schlachthof im Keller, was den Tieren den traumatischen Transport erspart. Verkauft werden kann gleich vor Ort, die Menschen leben ja gleich nebenan. Und Arbeitsplätze in der Stadt werden auch geschaffen. Und gratis gibt es frische Luft für die Stadt.

Insgesamt heißt die Richtung für die Stadt der Zukunft aufwärts. Der Trend, dass sich die Stadt immer weiter ins Umland ausbreiten ist nicht nachhaltig. Hochhäuser werden höher, der vertikale Transportweg wichtiger, also auch wieder weniger Verkehr auf den Straßen. Stattdessen werden Fahrstühle schneller und nicht mehr nur auf und ab, sondern auch seitwärts fahren.

Und schließlich wird die Informationstechnologie die neuen Städte prägen, in Überwachung und Lenkung der Verkehrsströme, bei der Aufklärung von Verbrechen und wohl auch zur Überwachung der Einwohner.

Alles in allen wird sich das Bild der Städte ändern, viele Modellprojekte sind schon überall auf der Welt am Start und zeigen, wie es gehen könnte. Doch der Prozess ist ein langsamer, und bis jeder von uns in einer dieser Städte der Zukunft leben wird, werden noch einige Jahre ins Land gehen. Doch die ersten Ansätze sind schon zu sehen und werden die Art wie wir Leben verändern.

 


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