Zeitreisen

Wie wäre es, dem gestrigen Tag einen Besuch abzustatten und sich selbst zu überreden, in die Zukunft zu reisen?

Die Möglichkeiten auf diese Weise Chaos und Unordnung im Zeitgefüge anzurichten, scheinen grenzenlos. Aber die Drohung, dass sich das Universum auflöst, wenn man seinem vergangenen Selbst die Hand schüttelt, würde wahrscheinlich die wenigsten davon abhalten, es trotzdem zu versuchen.

Da ist es doch sehr schade, dass es unmöglich sein soll, in die Vergangenheit zu reisen, das jedenfalls behauptet Einsteins Relativitätstheorie.

Für einen Reisenden vergeht die Zeit langsamer. Je näher er der Lichtgeschwindigkeit c kommt, desto stärker werden die Auswirkungen. Dabei genügen schon 10% von c, um in die Zukunft zu reisen. Erreicht unser Reisender sogar die Lichtgeschwindigkeit, steht die Zeit für ihn völlig still und er kann sich beliebig weit in die Zukunft bewegen, ohne dabei zu altern.

Leider gibt es keinen Weg zurück, denn schneller als Licht kann man sich nicht bewegen. Und selbst wenn es ginge, würden wir uns wahrscheinlich nicht in die Vergangenheit bewegen. Denn selbst mit einer Geschwindigkeit, die über c liegt, würden wir für die Strecke zwischen zwei Orten immer noch eine Zeit benötigen, die zwar kleiner ist, als die, die ein Lichtstrahl zwischen den Orten braucht, aber trotzdem größer als Null.

Zweifellos wird damit der Zusammenhang von Ursache und Wirkung außer Kraft gesetzt. Wenn Wilhelm Tell statt der Armbrust einen Laser nimmt, dann sollte dieser nach dem Zurücklegen der Strecke zwischen Wilhelm und seinem Sohn den Apfel durchbohren. Nehmen wir mal an, die Strecke beträgt etwa 300.000 Kilometer - unser Tell hat eine sehr ruhige Hand, dann braucht der Lichtimpuls eine Sekunde, um den Apfel zu erreichen.

Das ist aber für unseren Helden genug Zeit, es sich anders zu überlegen und mit einem Tachyon - das sind hypothetische Teilchen, die sich mit mehr als Lichtgeschwindigkeit bewegen - eine Nachricht zu senden, dass Sohnemann sich ducken soll. Die Wirkung, die eintreten sollte, nämlich der durchschossene Apfel, wird verhindert und die Ursache bleibt wirkungslos.

Laut Relativitätstheorie kann kein Teilchen schneller als Lichtgeschwindigkeit sein, da die Energie, die notwendig ist, es auf c zu beschleunigen immer größer wird, je näher es sich dieser Grenze nähert. Nur Photonen bewegen sich mit Lichtgeschwindigkeit, weil sie keine Ruhemasse haben - sie können aber (unter normalen Umständen und im Vakuum) auch nicht langsamer werden als c.

Deshalb ist es auch nicht möglich, ein Tachyon für die Signalübertragung zu benutzen, denn um das Signal mitzugeben, müsste es je wenigstens für eine kurze Zeit langsamer sein als c.

So besagt die Relativitätstheorie, dass Zeitreisen in die Vergangenheit oder selbst Nachrichten mit Überlichtgeschwindigkeit unmöglich sind.

Es gäbe einen Ausweg, wenn die Zeit nicht linear verläuft, sondern in Kreisen. Das ist sogar nach Einstein nicht ausgeschlossen, denn die Relativitätstheorie macht keine Aussage darüber, wie das Raumzeitkontinuum genau aussieht. Kurt Gödel, ein Kollege Einsteins, hat sich 1949 eine Geometrie überlegt, in der die Dimension der Zeit eine geschlossene Kurve bildet. In vier Dimensionen ist das schwer vorstellbar, aber in dreien könnte man sich das wie einen Zylinder oder wie einen Donut vorstellen.

Schauen wir uns zuerst eine flache Welt an, dann nehmen wir die Horizontale als Raumachse und die Vertikale als Zeitachse. Biegen wir die Vertikale um, bis sie sich wieder berührt, schon haben wir eine zirkulare Zeit (machen wir das Gleiche mit der Raumachse, bekommen wir das Donut-Universum, bei der auch der Raum einen Kreis bildet).

Wir wissen bereits, dass Reisen in die Zukunft mit Lichtgeschwindigkeit möglich sind (wenn auch energieintensiv). Ist die Zeit gekrümmt, wie oben beschrieben, brauchen wir also nur etwas Geduld - nicht viel, denn je näher wir an c herankommen, desto langsamer spüren wir selbst die Zeit vergehen - und können jeden beliebigen Punkt in der Zeit ansteuern. Leider müssen wir bei jeder Runde durch den Urknall, das könnte weh tun. Und was wäre, wenn wir feststellen, dass die Zeit kein Kreis, sondern eine Spirale ist und wir in immer anderen Zeitlinien stranden?

Vielleicht können wir an anderer Stelle tricksen, um den großen Umweg nicht gehen zu müssen.

Tatsächlich ist das nicht ganz abwegig, denn der Raum könnte auch gekrümmt sein und wir wissen bereits das schwere Massen eine Delle hineindrücken. Und ganz schwere Dinge, wie schwarze Löcher, könnten ja auch wieder irgendwo herauskommen. Wenn wir auf diese Weise zwei Punkte im Raum verbinden können und so eine Abkürzung schaffen, dann können wir genau das auch nutzen, um unterschiedliche Zeiten miteinander zu verbinden.

Natürlich vernachlässigen wir dabei erst einmal, wie schwierig es ist, ein stabiles Wurmloch zu erschaffen. Immerhin bräuchte man dafür negative Energie (und die ist bisher genauso wenig bestätigt, wie kreisende Zeit). Und wir vergessen, dass die Gezeitenkräfte uns zerreißen, wenn das schwarze Loch zu klein ist.

Dies außer Acht gelassen, geben wir unserem Reisenden das eine Ende des Wurmlochs mit und behalten das andere bei uns im Labor. Nach einiger Zeit hat der Kollege sein Ziel in der Zukunft erreicht und ist immer noch über das Wurmloch mit unserem Ort und unserer Zeit in der Vergangenheit verbunden. Wir haben einen Tunnel geschaffen durch den Besuche in Vergangenheit und Zukunft möglich sind, ohne Einstein auf die Füße zu treten - schließlich braucht sich nie ein Teilchen mit mehr als Lichtgeschwindigkeit bewegen. Ein Nachteil ist natürlich, dass man nicht weiter in die Vergangenheit reisen kann als zu dem Punkt, an dem der Reisende gestartet ist.

Und wir sind stillschweigend davon ausgegangen, dass das unser Wurmloch im Universum eine Abkürzung darstellt. Das muss keinesfalls der Fall sein. Wenn wir ein Stück Papier falten, dann kommen sich Punkte sehr nahe, die vorher weit entfernt waren. Stechen wir eine Nadel hindurch erhalten wir so eine Abkürzung, die kürzer ist, als die Strecke, die auf dem Blatt zurückgelegt werden müsste.

Diese Faltung ist aber nicht zwingend. Sollte der Raum flach sein, dann wäre das Wurmloch keine Abkürzung mehr. Falten wir unser Blatt Papier wieder auseinander und ersetzen die Nadel durch ein Band, dann könnten wir durch das Wurmloch auch eine wesentlich längere Strecke zurücklegen, als im Normalraum. Eine Möglichkeit, die gerne verschwiegen wird.


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