Technologische Evolution

Im Allgemeinen versteht man unter der Evolution die Entwicklung von Biologischen Systemen, wenn sie sich an eine gegebene oder sich verändernde Umgebung anpassen. Der Mensch setzt diesem seit Charles Darwin bekannten Prinzip noch eins drauf, er nutzt die Technologie, um sich an widrige Lebensbedingungen anzupassen. So ist es dem Menschen gelungen in Bereiche vorzudringen, für die er normalerweise nicht geschaffen war, er fliegt durch die Luft, taucht in den Meeren und hat sogar erste Schritte in den Weltraum gemacht.

Hans Hass war einer der ersten Wissenschaftler und Taucher, der erkannt hat, dass technologische Entwicklung auch als Teil der Evolution angesehen werden kann. Er bezeichnet diese künstlichen Erweiterungen in seinem Buch „Die Hyperzeller“ als externe Organe. Aber sie ist nicht nur auf den Menschen beschränkt, auch Tiere können technologische Evolution einsetzen, um sich an Lebensumstände anzupassen. Zu diesen externen Organen gehört zum Beispiel auch die Höhle der Wolfsspinne oder Fischernetze des Menschen, allgemein gehören dazu wahrscheinlich alle Werkzeuge und Hilfsmittel, die sich Tiere und Menschen zu eigen machen.

Der Unterschied zwischen dem Menschen und den Tieren liegt aber abgesehen vom Niveau, vor allem in der Zielgerichtetheit seiner Entwicklung. Während man bei den Tieren im wesentlichen von einer Entwicklung nach Versuch und Irrtum und der Weitergabe der Erkenntnisse an Nachkommen und Artgenossen ausgeht, ist der Mensch das erste Tier, dass diese Fähigkeiten gezielt einsetzt. Er hat sie sogar mit dem Ingenieurwesen in den Stand einer eigenen Wissenschaft erhoben.

In Unterschied zur Evolution mit technischen Entwicklungen gibt es aber auch noch eine Evolution der Technik, die sich vielfach aus Bestehendem weiterentwickelt. Betrachtet man die Entwicklung von Werkzeugen in diesem Licht, so gilt ganz ähnlich wie beim Leben, dass sich erfolgreiche Konzepte durchsetzen und - ja nach Marketing - schlechte Lösungen verdrängt werden.

Die Evolution die ich her betrachten will, ist aber im Grunde immer noch eine biologische, auch wenn sie sich der Technik und Wissenschaft bedient um sich an die Umwelt anzupassen.

Auch die Entwicklung der Medizin ist Teil der Entwicklung des Menschen, denn sie erweitert sein Immunsystem und seine körpereigenen Heilkräfte, um so neuen Krankheiten zu trotzen und Verletzungen zu heilen. Es handelt sich bei der Medizin also um eine Anpassung des Menschen an die widrigen Lebensumstände und erhöht seine Fähigkeit zu Überleben und das ist genau das, was Evolution nach Darwin ausmacht. Aber darüber hinaus stellen wir unsere Medizinischen Erkenntnisse auch anderen Tieren zur Verfügung, so dass Haustiere kaum auf eine Errungenschaft verzichten Müssen, die sich ihre Herrchen und Frauchen leisten können. Derartige artenübergreifende Weitergabe scheint im ersten Augenblick nicht dem zu entsprechen, was man aus der Natur kennt, aber das ist nicht ganz richtig, denn die Genetik hat gezeigt, dass Bakterien nicht nur innerhalb ihrer Art Erbgut austauschen sondern auch unter Fremden. Dieser Austausch ist ein großes Problem wenn Erreger mit aggressiven Antibiotika behandelt werden und Resistenzen entwickeln die dann auch an andere Stämme weitergeben werden können . Und auch bei Pflanzen können Gene zwischen unterschiedlichen Gattungen weitergeben werden - was zum Problem wird, wenn die Genetisch eingebaute Widerstandsfähigkeit einer Nutzpflanze plötzlich auch bei den Schädlingen auftaucht.

Aber die Evolution hat schon viel früher angefangen, Hilfsmittel zu benutzen um sich besser anzupassen, so wäre eine Besiedlung der nördlichen und südlichen Breiten ohne die Kleidung nicht denkbar gewesen und heute sind wir soweit, dass Menschen in ständigen Stationen an den Polen Leben ohne dass sie sich ein dickes Eisbärenfell wachsen lassen müssen.

Die Eroberung neuer Lebensräume wäre für den Menschen nicht in dieser Geschwindigkeit möglich gewesen, wenn er seiner Anpassung nicht selbst nachgeholfen hätte. Und selbst an das Leben unter Wasser kann sich der Mensch mit seinen technischen Möglichkeiten anpassen, wofür die Delphine Millionen von Jahren gebraucht haben brauchte der Mensch nur ein paar Jahrzehnte, nämlich von der Idee die Unterwasserwelt zu erforschen bis zu Jacques Cousteaus Erfindung der Aqualung, mit der erstmals ein Mensch für längere Zeit unter Wasser leben konnte. Und nur ein paar weitere Jahre Später entstanden die ersten Habitate Unterwasser, die es zumindest theoretisch möglich machten dauerhaft im Meer zu leben.

Selbstverständlich sind die menschlichen Meeresbewohner immer noch abhängig davon Luft zu Atmen, aber das trifft auch auf Delphine, Wale und Schildkröten zu. Diese Abhängigkeit wird aber nicht von Dauer sein, denn man beschäftigt sich bereits mit Techniken, den Sauerstoff direkt aus dem Meerwasser zu gewinnen. Mit diesen künstlichen Kiemen könnte der Mensch erstmals einen wirklich neuen und fremden Lebensraum für sich erschließen.

Mit dem Weltraum ist es ganz ähnlich wie mit dem Meer, in der ständig bemannten ISS leben Menschen in einer bisher lebensfeindlichen Umgebung. Die Nabelschnur, die diese Menschen mit der Erde verbindet ist natürlich noch wesentlich dicker als jene der Unterwassermenschen aber in Zukunft ist es durchaus vorstellbar, dass auch Raumstationen unabhängig von der Erde werden könnten. Da die Raumstation wesentliche Teile der Lebenserhaltung für den Menschen übernehmen muß wird man hier, um im Bild der Biologie zu bleiben, vielleicht von einer Symbiose sprechen müssen - der ersten Symbiose allerdings, in der ein Symbiont seinen Symbionten selbst entwickelt und hergestellt hat - in der die Raumstation die Lebenserhaltung übernimmt und der Weltraummensch die Wartung und Instandhaltung.

Die technologische Unterstützung der Evolution führt neben der unvorstellbar schnellen Anpassung an neue Lebensräume aber auch dazu, dass die Anpassung des biologischen Körpers an die neue Umwelt nicht mehr in dem Maße notwendig ist, wie das bei anderen Tieren der Fall ist, wenn sich deren Umgebung verändert, oder ein neuer Lebensraum erschlossen wird.

Insbesondere beim Weltraummenschen ist eine Anpassung des Körpers an die Schwerelosigkeit gar nicht erwünscht - zumindest nicht solange die Weltraummenschen immer noch auf die Erde zurückkehren möchten.

Aber die technologische Entwicklung kann die biologische nur teilweise substituieren, der Körper stellt sich natürlich trotzdem auf die neuen Lebensbedingungen ein. Das gilt insbesondere da, wo die neue Umwelt veränderte Anforderungen an die Physiologie stellt.

Voraussichtlich werden Wassermenschen deshalb schon nach wenigen Generationen eine kräftigere Beinmuskulatur ausbilden, die besser an den Flossenschlag angepasst ist, während die Arme an Bedeutung verlieren. Dramatischer werden allerdings die Veränderungen des Weltraummenschen sein. Sein Körper wird vielleicht runder werden, mit schwächeren Knochen und beweglicheren Gliedmaßen.

Die Technologie in der Evolution ist ein wesentlicher, ja unverzichtbarer, Teil dieser Entwicklung die uns seit der Zeit begleitet als der erste Primat entdeckt hat, dass man Termiten sammeln kann, indem man ein Stöckchen in den Bau steckt.

Vieles ist noch Spekulation, aber extrapoliert man aus den Erkenntnissen, die wir heute über die Evolution und die Entwicklung des Menschen haben, kann man sich durchaus vorstellen, dass die Zukunft der Menschheit in die angedeuteten Richtungen gehen könnte.


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