Zurück zum Mond

Es ist inzwischen über dreißig Jahre her, dass der letzte Mensch den Mond betreten hat, aber wir haben unseren Trabanten noch vergessen und nachdem der Marsrover Spirit erfolgreich auf unserem Nachbarplaneten gelandet ist wird wieder daran gedacht auch ihm wieder einen Besuch abzustatten und zwar als Vorbereitung für eine bemannte Mission zum Mars.

Diesmal soll es keine kurze Visite sein, sondern eine über längere Zeit, vielleicht sogar dauerhaft bemannte Station, wo Technologien und das Zusammenleben von Menschen auf einem fremden Himmelskörper erforscht und untersucht werden.

Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg zurück zu legen, denn selbst wenn die Konstruktionspläne für die ersten Mondmissionen noch existieren würden, wären sie kaum für das neue Vorhaben geeignet. Die Apollo-Kapseln und die Saturnraketen waren darauf ausgelegt drei Personen für ein paar Tage zum Mond und wieder zurück zu bringen. Für eine Mondbasis ist das bei weitem nicht ausreichend, da müssen Wohnmodule, Labors und vor allem Lebensmittel, Wasser, Sauerstoff und Treibstoff für Monate mitgebracht werden. Ist die Mondbasis erst einmal errichtet könnte sie vielleicht einen Teil ihrer Rohstoffe wie Wasser oder Treibstoff selbst aus dem Mondboden holen. Die Stromversorgung müsste wahrscheinlich zunächst mit einem kleinen Atomreaktor gewährleistet werden, könnte aber von Solarzellen unterstützt werden, die man vielleicht ebenfalls aus Mondrohstoffen fertigen könnte. Bis dahin müsste die Station aber von der Erde versogt werden, wofür leistungsfähige Trägersysteme entwickelt werden müssen.

Vielleicht böte die zur Zeit vernachlässigte Internationale Raumstation (ISS) eine Möglichkeit als Zwischenstation, man könnte das Raumschiff für den Mond oder sogar für den Mars hier zusammenbauen und kleinere Komponenten in mehren Flügen in den Weltraum bringen. Aber das von Bush vorgeschlagene Programm sieht eher das Gegenteil vor, die Station soll bis 2010 fertiggestellt werden und dann soll sich die NASA aus dem Projekt zurückziehen, um sich den neuen Aufgaben zu widmen. Im Grunde heißt das aber, dass eine wichtige Forschungseinrichtung ohne triftigen Grund für eine Vision geopfert werden soll, deren Realisierung aus finanziellen und technologischen Gesichtspunkten noch lange nicht so sicher steht, wie man das vielleicht gerne hätte.

Auch das Spaceshuttle kommt nicht in Frage, um die Weltraumflotte der USA zum Erdtrabanten zu führen und neue Konzepte sollen erst in den nächsten Jahren entwickelt werden. Das Crew Exploration Vehicle (CEV), von dem zur Zeit noch nicht einmal feststeht, ob das CEV wie ein Spaceshuttle oder als Wiedereintrittskapsel - wie die Apollokapseln - ausgelegt wird, soll bis 2008 entwickelt werden und 2014 seinen ersten bemannten Flug absolvieren. Bisherige Planungen für einen Shuttleersatz wären zur Zeit kaum geeignet den Anforderungen zu genügen. Man wird also auf absehbare Zeit auf die Kooperation mit internationalen Partnern angewiesen sein.

Allerdings haben noch keine Gespräche mit möglichen Internationalen Partnern in Europa, Japan, Kanada oder Russland stattgefunden. Trotzdem scheint eine internationale Zusammenarbeit nicht unerwünscht zu sein, denn die Russischen Sujuz-Kapseln und auch die europäische Ariane 5 werden als möglicher Bestandteil der kommenden Missionen erwähnt. Was nicht erwähnt wird ist, das die ESA mit dem wiederverwendbaren Phönix oder Hopper eine neue Shuttlegeneration in der Schublade hat die vielleicht als Ersatz für das Space-Shuttle sehr interessant sein könnte. Ganz zu schweigen davon, dass sowohl die ESA mit AURORA als auch die russische Weltraumorganisation RKA bereits Pläne für bemannte Marsmissionen besitzen. Die Russen setzen dabei übrigens auf die ISS, um das Marsraumschiff - von dem einige Komponenten sogar schon getestet wurden - im Orbit zusammenzusetzen. Und dann ist da noch das "Mars Direct"-Programm der Mars Society, das ebenfalls für einen Bruchteil der Kosten zu haben wäre, aber nicht auf eine Mondbasis als Zwischenschritt angewiesen ist.

Für jeden Teilbereich der zukünftigen Missionen müssen, wie man sieht, völlig neue Konzepte entwickelt werden und diese Kosten müssen in Zeiten knapper Kassen gerechtfertigt werden. Ganz zu schweigen davon, dass eine Milliarde Dollar in fünf Jahren und Umschichtungen aus den Budgets anderer NASA-Programme - das Hubble-Teleskop ist schon geopfert worden - in Höhe von 11 Milliarden kaum ausreichen werden - für Apollo wurde das Budget zweimal hintereinander verdoppelt - und bis zum roten Planeten könnten die Kosten auf 500 Milliarden Dollar steigen.

Aber es gibt gute Gründe das Geld zu investieren und wieder zum Mond zu fliegen. Zum einen bietet sich hier ein hervorragender Standort für astronomische Beobachtungen ohne störende Atmosphäre und auf der Erdabgewandten Seite auch ohne den störenden Einfluss von Funkwellen auf die Radioastronomie, ganz zu schweigen von der vierzehntägigen Mondnacht, die längere Beobachtungsperioden erlaubt. Auch wären mit einer ständigen Vertretung des Menschen auf unserem Trabanten geologische Untersuchungen möglich, die wichtige Erkenntnisse über Entstehung und Aufbau unseres Sonnensystems ermöglichen würden.

Daneben verfügt der natürliche Satellit der Erde über reiche Rohstoffvorkommen, die über kurz oder lang eine wirtschaftliche Ausbetung rechtfertigen könnten, insbesondere die Vorkommen an Helium-3 sind als zukünftige Energiequelle in der Kernfusion sehr begehrt und die Menge von geschätzten einer Millionen Tonnen würde für tausende von Jahren reichen. Den Mond auf diese Weise auszubeuten dürfte aber noch in weiter Ferne liegen und ist bei nachhaltiger Wirtschaft auch kein ernstzunehmender Grund zurückzukehren.

Trotzdem könnten einige der Technologien die entwickelt werden müssen auch für das Leben auf der Erde von Bedeutung sein. In der fortschreitenden Informationstechnologie werden immer leistungsfähigere Satteliten in der Erdorbit geschossen, die auch immer schwerer werden und immer mehr Energie verbrauchen. Es lässt sich natürlich darüber streiten, ob Spin-Offs aus dem Mondprojekt hier den entscheidenden Technologiesprung gewährleisten müssen, oder ob die Industrie diese Entwicklung auch in Eigenregie vorantreiben kann.

Aber natürlich dient der Langzeitaufenthalt auf dem Mond auch der Vorbereitung einer bemannten Mission zu unserem Nachbarplaneten, wobei insbesondere soziale Faktoren und Probleme genau analysiert werden müssen, und auch die Technologie ist bei einem so langem Einsatz extremen Belastungen ausgesetzt und muss vorher ausführlich getestet werden. Ist man erst mal auf dem Weg zum Mars gibt es kein zurück mehr.

In jedem Fall ist also viel Arbeit nötig, wenn tatsachlich in den kommenden Dekaden wieder ein Mensch seinen Fuß auf unseren nächsten Nachbarn im All setzen soll - und es gibt genug Kritiker die sagen, dass man das alles auf der Erde viel billiger haben kann und nebenbei noch Gesundheitsversorgung und Bildung verbessern könnte.

Bleibt zu hoffen, dass es sich bei der Ankündigung von George W. Bush vom 14.01.2004 nicht nur um Wahlkampgetöse handelt, das von Innen- und Außenpolitischen Problemen ablenken soll und tatsächlich wieder ein neues Raumfahrtzeitalter anbricht. Nachdem die Vorarbeiten anderer Weltraumorganisationen und sogar der eigenen Landsleute aber kaum eines Blickes gewürdigt wurden und der Haushalt der USA eine derartige Anstrengung zur Zeit wohl nicht trägt, dürfen berechtigte Zweifel angebracht werden.


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