Rosetta trifft den Kometen

 

Vor über 10 Jahren, am 4. März 2004 wurde eine kleine Raumsonde in den Weltraum geschossen, um dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko einen Besuch abzustatten. Seit Mai diesen Jahres befindet sich Rosetta in einer Umlaufbahn um den Kometen. Und am 11. November 2014, so ist es geplant, soll das erste mal in der Geschichte der Menschheit die Sonde mit dem Namen Philae auf einem Kometen landen, nach einer etwa 6 Mrd. Kilometer langen Reise.

Die Namen der Mission wurden in Anlehnung an den Rosettastein und der Insel Philae im Nil, die in der Archäologie eine große Rolle spielten, um die Hieroglyphenschrift zu entziffern. Man erhofft sich, dass die Raumsonden ebenso wichtig werden könnten für das Verständnis des Aufbaus unseres Sonnensystems und der Entstehung von Leben darin.

An Bord von Rosetta und Philae befinden sich zusammen 21 Instrumente, welche die Zusammensetzung des Kometen untersuchen sollen, um Fragen zur Entstehung des Lebens in unserem Sonnensystem zu beantworten.

An Bord von Rosetta befinden sich 11 Instrumente, unter anderem:

ALICE, ein UV-Spectrometer dieses soll die Zusammensetzung des Kometenkerns, der Koma (Gashülle) und des Ionenschweifs untersuchen. CONCERT wird Radiosignale durch den Kern hindurch schicken und seinen Aufbau erkunden. Außerdem sind Kameras dabei und Massenspektrometer sowie Instrumente zur Messung des Magnet- und Gravitationsfeldes des Kometen.

Die Philae-Landesonde soll unter anderm mit einem Alpha- und Röntgenspektrometer Antworten zur Zusammensetzung der Kometenoberfläche liefern und ein Bohrer, so ist geplant, soll unter die unmittelbare Oberfläche vorstoßen und Proben aus bis zu 30 cm Tiefe heraufholen.

Die Landung einer Sonde auf einem Kometen ist eine der großen Herausforderungen an dieser Mission, denn mit wenig Schwerkraft und unbekanntem Aufbau ist der Komet ein Ort, über den im Vorfeld nur wenige Annahmen getroffen werden konnten. Die Gefahr besteht dabei noch nicht einmal in einem Einschlag der Sonde auf dem Kometen, sondern dass sie aufgrund der geringen Schwerkraft einfach wieder abprallt.

Geplant ist deshalb, dass sich Philae mit Harpunen verankert und seine Position so sichert. Außerdem verfügt der Lander über einen kleinen Raketenantrieb, um eventuell entsprechende Abprallimpulse aufzufangen.

Hinzu kommt, dass die spezielle Form des Kometen die Landung erschwert, man musste einen Ort finden, wo keine größeren Gesteinsbrocken die Landung gefährden können. Außerdem muss ein Ort gefunden werden, der gut vom Sonnenlicht beschienen wird, damit die Solarzellen des Landers optimal arbeiten und schließlich sollte die Region auch interessant genug sein, damit es sich für die Wissenschaftler lohnt.

Kometen sind gerade deshalb so interessant, weil sie sich vor etwa 4,6 Mrd. Jahren zusammen mit dem Sonnensystem geformt haben und so, dass hoffen die Forscher, viel Material aus dieser Zeit konserviert haben. Andere Forscher denken, dass Kometen noch älter sein könnten und interstellare Materie beinhalten.

Im Jahr 2006 gab es durch die Stardust-Mission erste Hinweise darauf, dass Kometen organische Materie enthalten. Es wäre interessant zu sehen, ob diese ersten Bausteine des Lebens auch auf anderen Kometen zu entdecken sind.

Man hat sich schließlich für eine Stelle am Kopf des Kometen entschieden, der diesen Kriterien am ehesten gerecht wird. Rosetta wird sich dem Kometen bis auf 20 km nähern, bevor sich Philae vom Mutterschiff löst und mit dem Abstieg zur Kometenoberfläche beginnt. In den kommenden Tagen wird man diesen Landeplatz ‚J‘ noch genau beobachten, um festzustellen, ob es noch Gefahren an diesem Ort gibt, die übersehen wurden, dann stehen noch ander Ziele zur Auswahl, zu denen man wechseln könnte. Jedoch sollte sich die Mission höchstens um bis zu 28 Tage verzögern, denn dann kommt der Komet der Sonne allmählich so nahe, dass er anfängt, aktiv zu werden. Dass bedeutet, durch die Wärme der Sonne erhitzen sich Gase im Inneren des Kometen und können sich in Ausbrüchen in den Weltraum entladen.

Doch ein paar überraschende Neuigkeiten gibt es bereits vor dem großen Rendezvous. So ist der Komet offenbar wärmer, als er das nach Einschätzungen der Astronomen sein sollte. Mit minus 70 °C, was sehr warm ist, für einen Himmelskörper, der praktisch von Eis bedeckt ist. Aber seine Oberfläche ist auch sehr dunkel, dunkler als Kohle und so absorbiert 67P/Churyumov-Gerasimenko möglicherweise mehr Sonnenlicht, als erwartet. Während Rosetta den Kometen auf seiner Bahn um die Sonne begleitet wird die Sonne also auch das Wetter dort in der Ferne im Auge behalten.

Kometen haben in der Geschichte bereits viele Informationen über den Aufbau und die Funktion des Universums geliefert. 1705 sagte Halley korrekt voraus das ein Komet im Jahre 1758 wiederkehren würde und bestätigte damit Newtons Gravitationsgesetzt auf eindrucksvolle Weise. Im 16. Jahrhundert konnte Tycho Brahe zeigen, dass Kometen Phänomene von außerhalb der Erde seien mussten. Und seit 1985 werden immer wieder Sonden zu den Kometen geschickt und konnten im Vorbeiflug Daten sammeln. 2005 lieferte Deep Impact spannende Daten über den Aufbau, als der mitgeführte Impactor auf dem Kometen Temple 1 einschlug und es ermöglichte, die aufgeschleuderte Materie zu untersuchen. Und 2011 besuchte die Stardust Mission Temple 1 erneut, die Sonde hatte zuvor Proben von kosmischem Staub gesammelt und zu Erde gesandt.

Alles in allem sind Kometen eine faszinierende Quelle von Informationen über unser Universum und wir dürfen gespannt sein, welche weiteren Erkenntnisse Rosetta und Philae in den Tagen und Wochen nach der Landung liefern werden.

 


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