Wider den Irrglauben

Die Physik kann nicht alle Phänomene erklären, teilweise weil sie für heutige Modelle noch zu komplex sind oder auch noch nicht hinreichend erforscht sind, aber sie setzt einen Rahmen der es erlaubt verschiedene Ereignisse objektiv zu beurteilen.

Trotzdem gibt es die Naturgesetze die unumstößliche Grenzen für die Welt aufstellen in der wir leben und die auch durch neue Theorien nicht umgestoßen werden.

Zu diesen Grenzen gehört die Unüberwindlichkeit der Lichtgeschwindigkeit, die Energie- und Impuls- und Drehimpulserhaltung im Rahmen der Unschärferelation sowie die Existenz des absoluten Temperaturnullpunkts inklusive seiner Unerreichbarkeit.

Andere physikalische Modelle sind vielleicht nicht ganz so fundamental aber dass die Gravitationskraft mit dem Quadrat des Abstands abnimmt folgt sowohl aus den kosmologischen Modellen, die mit einem anderen Wert nicht funktionieren als auch aus umfangreichen und immer wieder mit größerer Genauigkeit wiederholten Versuchen.

Darüber hinaus sind reine Spekulationen nicht geeignet neue Ideen in den Status von Wahrheiten zu erhaben. Es bedarf zudem die Widerspruchsfreiheit in dem Modell selbst als auch in Hinblick auf etablierte Theorien - hin und wieder müssen letztere natürlich auch überarbeitet werden. Wenn dieses Gerüst steht bedarf es vieler Experimente um die Theorie zu belegen. Aber es genügt ein einziges, wiederholbares und wissenschaftlich unangreifbares Experiment um sie zu widerlegen - das kann freilich schwieriger sein als es sich anhört, da immer alle möglichen Einflüsse und Möglichkeiten berücksichtigt werden müssen.

Betrachten wir einmal das Perpetuum Mobile, entweder das welches sich ohne äußeren Antrieb immer weiter bewegt oder das, welches dabei auch noch Energie produziert. Letzteres ist ganz einfach auf Grund der Energieerhaltung unmöglich. Ersteres ist zumindest sehr unwahrscheinlich, weil es voraussetzt, dass die einmal hineingesteckte Energie niemals verloren gehen darf, was schon aufgrund von Reibungsverlusten unwahrscheinlich ist.

Während die Existenz eines Perpetuum Mobiles noch recht einfach zu widerlegen ist wird es schon schwieriger, wenn es darum geht über den Einfluss der Sterne auf unser Leben zu diskutieren.

Anhänger der Astrologie sind auch sehr Hartnäckig und der Hinweis, dass sich die Tierkreise langsam verschieben ist nicht geeignet sie zu überzeugen. Nun gibt es aber abgesehen von der Gravitation und etwas kosmischer Strahlung - die in der Regel nicht bis zum Erdboden vordringt - keinerlei Wechselwirkung mit den Sternen und Planeten. Und die gravitativen Einflüsse sind auch nur sehr schwach, so dass nahe Berge schon einen größeren Einfluss haben. Manchmal wird die Quantenmechanik mißbraucht um eine scheinbare Verbindung herzustellen, angeblich besagt das Bellsche Theorem, dass alle Objekte miteinander verbunden sein. Das ist Falsch, es gibt nur eine Bellsche Ungleichung, die festlegt, ob zwischen zwei Ereignissen ein statistischer Zusammenhang besteht. Ein solcher Zusammenhang existiert in der Quantenmechanik nicht, zwar beeinflusst die Messung eines Teilchens das mit ihm quantenmechanisch verschränkte - das heißt sie befinden sich in einem gemeinsamen überlagertem Zustand - auch über Entfernungen hinweg, Informationen lassen sich damit nicht übertragen. Dazu kommt, dass diese Verschränkung durch die geringste Wechselwirkung zerstört wird, es kann also in fernen Sternen keine Teilchen geben, die seit dem Urknall mit Atomen in unserem Körper verschränkt sind.

Was die Leute glauben möchten ist im Grunde egal, da Astrologie auch funktionieren kann, wenn man einen guten Astrologen mit viel Menschenkenntnis und einer psychologischen Begabung hat. Aber wenn pseudowissenschaftliche Argumente verwendet werden, um den eigenen Aberglauben zu rechtfertigen, sollte man das nicht unwidersprochen hinnehmen.

Aber es gibt auch eine Form von wissenschaftlichen Aberglauben, diesem gehören zum Beispiel die Anhänger der Hohlwelttheorie an, obwohl sich mathematisch leicht beweisen lässt, dass innerhalb einer Hohlkugel Schwerelosigkeit herrscht wird dieses Argument schlicht mit dem Hinweis ausgeräumt, dass es sich dabei schließlich nur um Mathematik handeln würde, dass ohne die Gesetze der Schwerkraft unsere Welt nicht existieren könnte, wie wir sie heute vorfinden wird nicht bedacht. Ganz zu schweigen davon, dass das die Gravitationsgesetze mit modernsten Experimenten immer wieder bestätigt werden. Während die übliche Sicht der Vollkugelerde in ein Konsistentes, in sich schlüssiges Weltbild einfügt führt eine Hohlerde bei genauer Betrachtung zu einer Reihe Widersprüche, die durch das postulierte Weltbild nicht oder nur mit einigen geistigen Verrenkungen erklärt werden können.

Ein ganz ähnliches Phänomen stellt das Auto dar, das angeblich mit reinem Wasser angetrieben wird. Ein solcher Antrieb ist bedauerlicherweise unmöglich, da Wasser von selbst keine Energie freisetzt - abgesehen von thermischer Strahlung natürlich, wie jeder andere Körper auch. Auch eine kalte Fusion ist unmöglich, da viel Energie nötig ist, um zwei Atome so nahe zusammenzubringen, dass sie fusionieren. Abgesehen von einem großen Tank auf dem Dach das beim runterlaufen ein Schwungrad antreibt gibt es nach physikalisch-chemischen Erwägungen keine Möglichkeit Wasser in den Tank zu kippen und loszufahren.

Was bei diesem wissenschaftlichen Aberglauben auffällt ist die Hartnäckigkeit, mit der ihre Anhänger daran festhalten. In der wissenschaftlichen Gemeinde ist es allgemein üblich seine eigenen Ideen grundsätzlich in Frage zu stellen, um so die Fehler der Theorie aufzudecken, das ist im Aberglauben nicht der Fall, der Gegenbeweis wird immer von den anderen verlangt und der Anhänger selbst sieht sich eher in der Rolle der unterdrückten Minderheit, die als einzige die Wahrheit als Märtyrer mit ins Grab nehmen muss.

Gerade letzter Punkt macht es so gut wie unmöglich abergläubische Menschen von einer aufgeklärten Weltsicht zu überzeugen, selbst wenn es sich ansonsten um sehr intelligente Menschen handeln kann.

Die verschiedenen Formen von Aberglauben sind im wesentlichen irrational, und stellen im Grunde eine Art Glaubensbekenntnis dar, dass auch mit den besten Argumenten nicht ohne weiteres umwerfen lässt, genauso sind dann auch die Argumente der Abergläubischen in der Regel nicht geeignet zu einer kritischen Analyse des Problems beizutragen.

Auf der anderen Seite gibt es aber Grenzbereiche, wo man nicht genau sagen kann, wo der Aberglauben anfängt, und wo schlicht noch Forschung nötig ist, um Phänomene zu erklären. Ein Beispiel dafür ist die Homöopathie, ganz gewiss hat Wasser kein Gedächtnis, mit dem es sich die Wirkung eines Medikaments merken könnte, obwohl sich diesen schon lange nicht mehr im Wasser befindet - es gibt zwar Wasserstoffbrücken, die einzelne Wassermoleküle miteinander verbinden aber diese Verbindungen sind nicht von Dauer, ganz zu schweigen, dass man sie nicht auslesen kann, wie ein Magnetband. Trotzdem ist es nicht unvorstellbar, dass Wirkstoffe auch in sehr geringer Konzentration noch Effekte auf den Körper haben können. Hier sind noch wissenschaftliche Forschungen nötig, einzelne Berichte oder begeisterte Ärzte sind leider nicht geeignet eine These zu belegen.

Es gibt also einen Unterschied zwischen Aberglauben, der einer wissenschaftlichen Analyse nicht standhalten kann, weil er grundlegenden Gesetzmäßigkeiten oder Experimenten widerspricht und weißen Flecken auf der wissenschaftlichen Landkarte, die noch erforscht werden müssen. Zwischen diesen Bereichen zu unterscheiden ist nicht immer ganz leicht, aber wenn man eine kritische und aufgeschlossene Weltsicht pflegt bekommt man Übung und einige interessante Einblicke in die Funktion der Welt.


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