Mensch / Maschine

Bereits heute verbessert der Mensch seine Fähigkeiten mit den zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten. Das gilt für so einfache Dinge, wie die Brille auf der Nase bis hin zu Teleskopen.

Zur Interaktion von Mensch und Maschine gehören aber auch zahlreiche Prothesen, die teilweise heute schon mit Mikroprozessoren ausgestattet sind, um zum Beispiel mit einer künstlichen Hand präzise greifen zu können.

Künstliche Beine ahmen den Menschen nicht mehr nur nach, spezialisierte Prothesen im Sport leisten bereits heute mehr als das natürliche Bein. Und sogar Herzschrittmacher und Dialysegeräte gehören in diese Kategorie und unterstützen körpereigene Funktionen.

Pharmazeutische Produkte nehmen schon heute alltäglich Einfluss auf neurobiologische Prozesse. Oft sind es medizinische Gründe, die ihren Einsatz rechtfertigen, zum Beispiel wenn Krankheiten, wie Depressionen, behandelt werden. Allerdings gibt es auch schon Medikamente, die keine Krankheit behandeln, sondern zum Beispiel die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit steigern.

Koffein oder Guarana einzusetzen, um eine Nacht durchzulernen, ist natürlich nicht neu, das machen Studenten wahrscheinlich, seit es Universitäten gibt. Aber die Wirkung dieser Substanzen ist kurzlebig und man kann nur soviel Kaffee trinken, bis man zu nervös wird, um konzentriert zu arbeiten. Nicht zu vergessen, dass ein Gewöhnungsprozess einsetzt und die Wirkung bei ständigem Konsum irgendwann nachlässt.

Modafinil versucht diese Nebenwirkungen zu umgehen und die geistige Leistungsfähigkeit dauerhafter zu steigern. Kein Wunder, dass es bereits einen Schwarzmarkt für die Tabletten gibt. Über die Nebenwirkungen ist noch nicht viel bekannt, aber die Droge verbessert das Kurzzeitgedächtnis, die Planungsfähigkeit und verringert die Impulsivität.

Und es wurden in den letzten Jahren noch zahlreiche andere Pharmazeutika entdeckt, die zum Beispiel bei Alzheimerpatienten die Symptome lindern oder das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) behandeln. Oder bei Menschen, die nicht an diesen Symptomen leiden, kognitive Fähigkeiten verbessern oder die Konzentrationsfähigkeit steigern.

Noch in den Kinderschuhen steckt die Entwicklung von künstlichen biologischen Geweben, zum Beispiel unter Einsatz von Stammzellen. Im Allgemeinen ist hier von rekonstruktiver Medizin die Rede. Heutzutage kann man beispielsweise Hautstücke wachsen lassen und sie bei Verbrennungen einsetzen. Es gibt jedoch keinen Grund, warum man sich darauf beschränken sollte, Organe nur wieder herzustellen, man könnte sie auch ein wenig verbessern, in dem man Gene in die Stammzellen einschleust, die vielleicht das Immunsystem stärken, oder künstliche Nieren, die besser mit Schadstoffen umgehen können. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Realität sind die bereits oben erwähnten Implantate und Prothesen.

Besonders deutlich wird das, wenn man sich die Paralympics ansieht, da ist es selbstverständlich geworden, die Prothesen und Hilfsmittel für die jeweilige Aufgabe zu optimieren. Um nur ein Beispiel zu nennen, eignen sich normale Beinprothesen heutzutage nicht, um Wettrennen zu laufen, mit Prothesen aus Karbonfaser und Titan aber sind geringes Gewicht und Flexibilität erreichbar, die ganz herausragende Zeiten möglich machen. 2004 brach Oscar Pistorius den Weltrekord im 200m-Lauf mit unter 22 Sekunden mit zwei unter dem Knie amputierten Beinen. 1012 möchte der Südafrikaner in London bei den Olympischen Spielen antreten.

Und schließlich gibt es noch die weite Spielwiese der Implantate. Bereits heutzutage ist es mit modernen Herzschrittmachern kein Problem mehr auch Sport zu betreiben, denn inzwischen gibt es auch Herzschrittmacher, welche die Herzschlagrate an die Belastung anpassen.

Es existieren heute schon eine ganze Reihe künstlicher Organe und Implantate, die bei Krankheiten eingesetzt werden. So stimuliert ein Gehirnschrittmacher bestimmte Regionen im Gehirn, was bei epileptischen Anfällen eingesetzt wird, um eben diese zu verhindern, oder bei Parkinson, um das Zittern zu unterdrücken.

Es gibt künstliche Herzen, die entweder ein krankes oder schwaches Herz unterstützen oder solche, die es vorübergehend ersetzen, bis ein Spenderorgan gefunden wurde. Cochlearimplantate ersetzen das Innenohr und an künstlichen Augen wird intensiv geforscht. In beiden Fällen wenden Sinneseindrücke, ob akustisch oder optisch, in elektrische Reize umgewandelt, die dann an die Nerven weitergegeben werden, um einen Sinneseindruck hervorzurufen.

Bisher versuchen diese Implantate Funktionen herzustellen, aber zukünftige Technologien könnten auch hier effektiver arbeiten als das natürliche Vorbild.

Gerade bei den zuletzt angesprochenen Implantaten geht es aber nicht nur darum, irgendwelche Funktionen zur Verfügung zu stellen, sondern um eine Schnittstelle mit dem Nervensystem, um die künstlichen Sinneseindrücke auch wahrnehmen zu können. Im Moment simulieren die Implantate Nervenimpulse, wie sie ohnehin vom Gehirn verarbeitet werden. Das Auslesen von Gedanken aus dem Gehirn ist wesentlich komplizierter, aber auch daran wird intensiv geforscht. Fortschritte auf diesem Gebiet könnten irgendwann eine echte Kommunikation zwischen Mensch und Maschine ermöglichen. Ohne Sonden im Gehirn ist es im Moment aber extrem schwierig und erfordert enormen technischen Aufwand, die Signale der Neuronen zu belauschen. Sollte das irgendwann einfacher werden oder Gehirnimplantate in Mode kommen, könnten ganz neue intellektuelle Fähigkeiten ins menschliche Repertoire aufgenommen werden, ob man nun Pi auf die millionste Stelle berechnen möchte, Simulationen von Proteinfaltungen im Kopf durchführt oder einfach nur an einer Videokonferenz im eigenen Kopf teilnimmt, mit einem Exokortex oder einer drahtlosen Verbindung zum nächsten Computer dürfte es genug Anwendungen dafür geben. Ein Ersthelfer an der Unfallstelle könnte seine Hände dem Notarzt zur Verfügung stellen, um erste Hilfe zu leisten und der Astronaut dem Spezialisten auf der Erde ein Problem mit den eigenen Augen zu zeigen.

Ob es wünschenswert ist, den menschlichen Körper zu verändern, ganz gleich ob mit Mechanik, Biotechnologie oder Genetik, wird sehr kontrovers diskutiert, die eine Seite sieht es als Menschenrecht, den eigenen Körper (und den der eigenen Kinder) verändern zu dürfen.

Auf der anderen Seite steht dabei die Gefahr, dass gerade diejenigen, die sich gegen diese Modifikationen entscheiden, diskriminiert werden, weil sie eben nicht schneller, stärker und intelligenter sind.


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