Das Innenweltbild - Spinnerei oder alternative Erklärung?

2018-09-24 17:37:18

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Mathematisch macht es keinen großen Unterschied, ob wir auf der Oberfläche oder dem Innenraum einer Kugel wohnen, und tatsächlich gibt es Mitmenschen, die daran glauben, dass wir auf der Innenseite einer Hohlkugel leben. Dieses sog. Innenweltbild geht ursprünglich auf die biblische Textstelle zurück, welche sagt, dass Gott im Zentrum des Weltalls sitzt und die Erde sein Fußschemel ist.
Gott in eine kleine Kugel zu sperren, mag genauso gewöhnungsbedürftig sein, wie die Tatsache, dass das gesamte beobachtete Universum in dieser Kugel, mit einem Durchmesser von 12.000 Kilometern, Platz finden soll.

Um dieses Weltbild zu verstehen, muss man gewisse Voraussetzungen machen, diese Axiome mögen willkürlich erscheinen, aber auch die moderne Physik geht davon aus, dass z. B. die Newton'schen Axiome universell gültig sind.
Zwei Voraussetzungen sind notwendig. Erstens: Die Lichtgeschwindigkeit ist nicht konstant, sondern verlangsamt sich, je näher sie ans Zentrum der Kugel kommt, und genau im Zentrum stoppt das Licht. Laut allgemeiner Relativitätstheorie, die Licht als Maßstab nimmt, werden so Längen zum Zentrum hin gestaucht, sodass man den Anschein gewinnt, das Universum hätte eine unendliche Ausdehnung.
Das zweite Axiom postuliert gekrümmte Lichtstrahlen, die sich alle auf das Zentrum der Kugel hin biegen, nur Lichtstrahlen, die genau auf das Zentrum gerichtet sind, bewegen sich gradlinig auf dieses Zentrum zu.
Welche Kräfte hinter diesen Phänomenen stecken, kann die Theorie nicht erklären, aber es handelt sich schließlich um Axiome und die brauchen nicht erklärt werden, sie sollten nur plausibel sein. Ob das hier der Fall ist, sei einmal dahin gestellt.

Es gibt verschiedene Argumente, die scheinbar für dieses Weltmodell zu sprechen scheinen, wie zum Beispiel die Tatsache, dass die Erdanziehungskraft im Mantel der Erde zunächst zunimmt - auf den ersten 1000 km bleibt sie jedoch nahezu konstant, das liegt aber daran, dass der Mantel eine geringere Dichte hat als der Kern - im Kern nimmt die Schwerkraft dann ab, weil die äußeren Schichten nicht mehr zur Anziehungskraft beitragen können.
Im Rahmen der Hohlkugelerde liegt hier allerdings ein schwerer Denkfehler vor, denn innerhalb einer Hohlkugel herrscht Schwerelosigkeit, weil sich die Anziehungskraft der Massenelemente, die den Mantel ausmachen, sich in der Hohlkugel gegenseitig aufheben. Man kann sich das leider ohne Integralrechnung nicht ohne Weiteres klar machen.
Deshalb müssten die Bewohner der Hohlerde allesamt nach oben stürzen, wo die Massen der Planeten hängen.

Schließlich wird der sogenannte Gradstreckenverleger von Morrow, 1898 angeführt, welcher ein für alle mal den Beweis für die Hohlkugelerde liefern soll. Es handelt sich dabei um eine aufwendige Konstruktion, die es ermöglichen sollte, die Erdkrümmung unabhängig vom gekrümmten Licht nachweisen zu können.
Die Idee hinter diesem Apparat ist, dass man Metallstücke, die präzise gefertigt wurden, nahtlos aneinandergefügt und dann feststellt, dass sich die "gerade Strecke" dem Erdboden zuneigt - bzw. dem Meer, das eine glattere Oberfläche hat. Dabei vergaßen die Experimentatoren aber, dass sich auch noch so kurze Metallstücke unter dem Einfluss der Gravitation krümmen, ganz gleich wie präzise die Stücke aneinandergefügt werden, sodass der Gradstreckenverleger ein falsches Ergebnis liefert. Da das Experiment nur einmal durchgeführt wurde, ist damals leider nicht aufgefallen, dass für unterschiedliche Teilstücke unterschiedliche Krümmungen gemessen werden würden. Hinzu kommen mögliche Temperaturunterschiede an Ober- und Unterseite, welche auch zu einer Krümmung der Teilstücke führen können, sowie allgemeine Messfehler, die nie auszuschließen sind.

Aber der Gradstreckenverleger kann aus einem weiteren Grund nicht funktionieren, denn in den Axiomen steht ja, dass sich das Licht langsamer bewegt, je näher man dem Zentrum kommt. Laut Einstein heißt das aber auch, dass Strecken gedehnt werden, je weiter man sich vom Zentrum entfernt. In einem Teilelement des Gradstreckenverlegers führt das dazu, dass Atome in den unteren Schichten einen größeren Durchmesser haben, als die in den oberen - obwohl man das tatsächlich nicht messen kann, da die Lichtgeschwindigkeit das wieder ausgleicht. Das führt dazu, dass das Metallstück in Wirklichkeit leicht nach oben gekrümmt ist, genau wie ein Lichtstrahl. Das führt dazu, dass der Gradstreckenverleger zum Nachweis einer Hohlerde genauso zwecklos ist wie ein Theodolith.

Ein letztes Argument möchte die Hohlwelttheorie damit stützen, dass es erklärt, Funkwellen, insbesondere Langwellen (150 - 350 kHz), könnten sich schließlich nicht um eine Kugel herum ausbreiten.
Auch in dieser Argumentation stecken zwei schwerwiegende Fehler. Zum einen handelt es sich bei Funkwellen um elektromagnetische Strahlung, genau wie Licht, das sich auch genauso verhalten muss. In diesem Weltbild heißt das, dass auch andere elektromagnetische Strahlung sich zum Zentrum der Hohlkugel krümmen muss und nicht auf der anderen Seite der Erde ankommen würde.
Der zweite Punkt ist, dass, wenn sich die Funkwellen tatsächlich gradlinig ausbreiten würden, die Zeiten, die das Funksignal braucht, erheblich kürzer wären als beobachtet. Insbesondere bei Reisen zu Mond oder anderen Planeten bräuchte das Signal deutlich weniger Zeit als von einer Seite der Erde zur anderen. Tatsächlich braucht es in beiden Modellen die Ionosphäre, um die Funksignale zu reflektieren und mangelndes physikalisches Wissen kann man nicht wegargumentieren.

Doch wenn wir die oben genannten Axiome konsequent anwenden würden, dann wäre das Innenweltbild nichts anderes als eine mathematische Transformation und es gäbe physikalisch keinen messbaren Unterschied zur Vollkugelerde.
Da das Innenweltbild die Weltanschauung unnötig kompliziert macht, ohne, wie gezeigt, Phänomene zu erklären, geht die Wissenschaft immer davon aus, das das einfachere Modell die Wirklichkeit am besten beschreibt - dieses Prinzip ist in der Wissenschaft als Ockhams Rasiermesser bekannt - es ist deshalb nicht einsichtig, warum gekrümmtes und langsames Licht postuliert werden sollte, wenn dadurch keine neuen Erklärungen gefunden werden.

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